Muscheln schmieren an neuer Antifouling-Beschichtung ab

  • 26.10.2017

Antifouling-Mittel werden eingesetzt, um den Bewuchs von Schiffen, Booten, Offshore-Anlagen und anderen im Wasser eingesetzten Elementen durch so genannte Fouling-Organismen wie Muscheln, Algen, Seepocken usw. zu verhindern. Bei Schiffen erhöhen die sich ansiedelnden Organismen den Strömungswiderstand und führen zu einer Gewichtszunahme des Schiffes, was zu einer Erhöhung des Brennstoffbedarfs und zu Effizienzverlust führt. Zudem können mit dem bewachsenen Schiffsrumpf gebietsfremde Arten in neue Lebensräume eingeschleppt werden und dort heimische Arten verdrängen. Biofouling stellt darüber hinaus auch einen Verbreitungsweg für Krankheitserreger dar.

Effektive Antifouling-Anstriche mit giftigen, biozidhaltigen Wirkstoffen haben negative Auswirkungen auf die Umwelt. Aufgrund dessen werden immer mehr Wirkstoffe in Antifouling-Mitteln verboten, zum Beispiel bereits seit 2008 Tributylzinn (TBT) oder seit dem 31. Januar 2017 Cybutryn. Aufgrund dieser Tatsache nimmt die Entwicklung von effektiven biozidfreien Beschichtungen eine zunehmend größere Rolle ein.

Neue Polymer-Beschichtung simuliert Muscheln eine weiche Oberfläche

Kürzlich hat ein internationales Team von Wissenschaftlern, darunter Prof. Dr. Nicolas Vogel von der Universität Erlangen-Nürnberg, eine neue Polymer-Beschichtung entwickelt, die ohne den Einsatz von jeglichen Bioziden Fouling an Schiffen verhindern soll (zur Studie). Dabei ist die Beschichtung ähnlich strukturiert wie ein Schwamm, in dem eine Art „Schmiermittel“ in die Oberfläche eingebracht wird. Dieses getränkte Polymer simuliert der Muschel eine relativ weiche Oberfläche. Das heißt, wenn die Muschel die Oberfläche mit ihrem Fuß prüft, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Muschelfuß Klebstoff-Fäden (sogenannte Byssusfäden) abgibt, um sich an der Oberfläche anzuheften.

Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend und die neue Polymer-Beschichtung ist inzwischen patentiert. Allerdings können noch keine konkreten Aussagen getroffen werden, wann das Antifouling-Produkt im Handel erhältlich sein wird.

Forschungsstand, Projekte und Erfahrungsberichte bei Antifouling-Veranstaltung

Zu dem durch weitere Verbote von Bioziden nach wie vor hochaktuellen Thema „Antifouling“ lädt das Kompetenzzentrum GreenShipping Niedersachsen in Kooperation mit dem Maritimen Cluster Norddeutschland am 7. Dezember 2017 in Cuxhaven ein. Referentinnen und Referenten aus Forschung, Wirtschaft und Behörde informieren zum aktuellen Forschungsstand, laufenden Projekten, Erfahrungsberichten und zu gegenwärtigen Regulationen. In der anschließenden Diskussionsrunde haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance, Konzepte, Forschungsergebnisse und zukünftige Projektideen zu diskutieren. Die Veranstaltung richtet sich an Reedereien, Werften, Bootsbesitzer, Lackhersteller, Hersteller von Offshore-Gründungsstrukturen, Forschungsinstitute, meerestechnische Anwender, Behörden und Umweltschutzverbände.

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Antifouling-Strategien: Auf dem Weg zu einem effektiven biozidfreien Bewuchsschutz
7. Dezember 2017, Cuxhaven


Bild: D. Ruiz & A. Krutwa