Fünf Fragen an … Jan-Willem Storm

  • 22.06.2017

Schiffbau, Zulieferer, Offshore, Meerestechnik und mehr – die maritime Wirtschaft in Norddeutschland ist facettenreich. In unserer neuen Porträtreihe „Fünf Fragen an ...“ stellen wir Ihnen die Köpfe hinter den Unternehmen der maritimen Branche vor. Den Start macht Jan-Willem Storm, Geschäftsführer und Gesellschafter bei Wulf Johannsen. Das Unternehmen aus Schleswig-Holstein ist auf den Service für Gas- und Dieselmotoren im Leistungsbereich von drei bis 3.000 Kilowatt spezialisiert.

MCN: Herr Storm, Ihr Unternehmen existiert seit 85 Jahren. Seit 2005 sind Sie alleiniger Gesellschafter der Firma. Was mögen Sie besonders an Ihrer Tätigkeit bei Wulf Johannsen?

Storm: Zum einen sicherlich die Entscheidungsfreiheit, die ich als Gesellschafter bei der Firma Wulf Johannsen genießen darf – als Nachfolger in der vierten Generation mittlerweile. Zum anderen bin ich besonders zufrieden, mit einem tollen Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den beiden Standorten in Kiel zusammenzuarbeiten. Ich bin sehr motiviert, neue Potenziale für das Unternehmen zu entdecken, um die Zukunft von Wulf Johannsen in Schleswig-Holstein zu sichern.

MCN: Mit welchen aktuellen Herausforderungen sieht sich Ihr Unternehmen konfrontiert?

Storm: Seit einiger Zeit haben wir eine immer stärkere Wettbewerbssituation. Zum einen durch die Motorenhersteller, die im Laufe der letzten Jahre weniger Motoren in den Markt bringen konnten und jetzt selbst aktiver im Service unterwegs sind. Zum anderen stehen wir besonders im maritimen Bereich im Wettbewerb mit Ländern, in denen das Lohnniveau einfach niedriger ist, wie beispielsweise Polen. Eine Herausforderung ist es für uns zudem, geeignete Auszubildende und gute ausgebildete und motivierte Servicetechniker zu finden, die wir benötigen, um unsere Service-Dienstleistungen weiterhin qualitativ hochwertig anzubieten.

MCN: Mitarbeiterzufriedenheit und Investition in Ihre Mitarbeiter sind für Sie ein erklärter Unternehmensgrundsatz. Bei all den Neueinstellungen, die Sie in den letzten Jahren getätigt haben, sind immer noch 35 Prozent Ihrer Mitarbeiter weit länger als zehn Jahre im Unternehmen beschäftigt. Wie schaffen Sie das, Ihre Mitarbeiter im Unternehmen zu halten und wie stellen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit sicher?

Storm: Wir sind sehr motiviert, Auszubildende zu finden und investieren aktiv in ihre Ausbildung. Gleichzeitig fördern wir aber auch bestehende Mitarbeiter. Das wirkt sich in meinen Augen positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus, denn: Karrieremöglichkeiten sind auch in unserem mittelständischen Unternehmen gegeben. Ein Beispiel: Unser Mitarbeiter Mike Radloff ist als Praktikant bei Wulf Johannsen gestartet, später durften wir ihn in seiner Bachelor-Thesis begleiten und heute ist er Abteilungsleiter unseres Geschäftsbereichs ,,mobile und maritime Antriebssysteme“. Ich freue mich, dass wir seinen Karriereweg begleiten und auch ermöglichen konnten.
 

Werkshalle bei Wulf Johannsen



MCN: Auf welche Momente bei Wulf Johannsen sind Sie besonders stolz?

Storm: Es macht mich stolz, dass wir es als Familienunternehmen geschafft haben, in einem Umfeld, das derzeit von schwachem Wachstum geprägt ist, unsere Gesamtleistung in den letzten zehn Jahren zu verdreifachen – und dass wir neue Mitarbeiter einstellen konnten. Das ist in unserem Branchensegment derzeit gegen den Trend. Einige Marktbegleiter gibt es heute nicht mehr. Entweder wurden diese Betriebe nach vielen Jahren Tätigkeit geschlossen oder von sogenannten "Heuschrecken“ oder anderen großen Serviceanbietern aufgekauft.
Unser aktuelles Projekt im Bereich Digitalisierung macht mich ebenfalls stolz. Als Serviceunternehmen reparieren wir unter anderem Schiffsmotoren. Mittels ERP-Technologie können wir zukünftig die Echtzeitdaten der Motoren auslesen und so schnell auf Probleme reagieren und Wartungsbedarfe frühzeitig ermitteln. Damit geben wir dem Service in unserer Branche ein ganz neues Gesicht.

MCN: Was schätzen Sie an der maritimen Wirtschaft im Norden?

Storm: Ich schätze das Zusammengehörigkeitsgefühl, das ich als Unternehmer in Norddeutschland erleben darf. Die Vernetzung mit anderen Branchenakteuren in der Region ist in meinen Augen sehr gut, gerade durch Institutionen wie das Maritime Cluster Norddeutschland, das uns seit einigen Jahren begleitet beziehungsweise das wir seit einigen Jahren als Mitglied begleiten dürfen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Mitgliedschaft in Brancheninstitutionen bzw. -vereinen die Fachkompetenzen gegenüber potenziellen Geschäftspartnern zusätzlich unterstreicht.

MCN: Vielen Dank für das Interview.
 

Über Jan-Willem Storm

Jan-Willem Storm ist Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Wulf Johannsen KG GmbH & Co. mit zwei Standorten in Kiel. Nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurswesens an der FH Nordakademie in Elmshorn, kam Storm 2001 zu Wulf Johannsen. Dort startete er im Ersatzteilverkauf und in der Betreuung der ausländischen Kunden im Bereich „Mobile mechanische Bearbeitung vor Ort“. 2003 betreute Storm die Umsiedlung des Unternehmens von Kronshagen nach Kiel sowie die Errichtung des Neubaus, ein Jahr später wurde er zum Geschäftsführer bestellt. In dieser Position entwickelt er seit 2004 kontinuierlich die einzelnen Geschäftsbereiche von Wulf Johannsen sowie das Dienstleistungsspektrum für die nationalen und internationalen Märkte. Seit 2005 besitzt Jan-Willem Storm 100 Prozent der Gesellschafteranteile an Wulf Johannsen.

www.wulf-johannsen.de


Bilderquelle: Wulf Johannsen KG GmbH & Co.